Andachten

Andacht

Andacht 11.09.2019

11. September 2019 | Rinaldo G. Chiriac

Andacht 11.09.2019

Bildnachweis: Katarzyna Wendt

Überlass dich ruhig dem Herrn und warte, bis er eingreift. Gerate nicht in Zorn über den, der auf seinem bösen Weg auch noch Erfolg hat, über einen Menschen, der seine finsteren Pläne in die Tat umsetzt. Sag dich los vom Zorn, leg deine Wut ab! Lass dich von deiner Entrüstung nicht beherrschen; es führt nur zum Bösen.

Ich weiß nicht, wie lange ich mich noch wachhalten kann. Doch dann werden die entscheidenden Wahlergebnisse endlich bekannt gegeben. Was ich höre, macht mich fassungslos! Voller Ärger schalte ich den Fernseher aus und gehe ins Bett. Auch in den folgenden Tagen nimmt meine Empörung kein bisschen ab. Obwohl es sich gar nicht um meine Heimat handelt, werde ich immer verbitterter. Wieso nur traf die Ankündigung einer dermaßen rücksichtslosen Politik auf Wählergunst?
Ein Blick in die sozialen Medien verrät: Ich bin nicht der Einzige, der sich ereifern und sogar in Wut geraten kann, weil seine Hoffnung auf gerechte Umstände enttäuscht wurde.
Der zitierte Psalm schließt die Existenz dieser negativen Gefühle bewusst ein. Und er formuliert eine erstaunlich aktuelle Einsicht: Wer sich in seine Frustration hineinsteigert und seiner Aggression Raum lässt, wird sich verändern; der wird jenen immer ähnlicher werden, die er kritisiert. Dabei geht es keineswegs um Gleichgültigkeit oder Bequemlichkeit. Doch Empörung – selbst um einer guten Sache willen – hinterlässt Spuren und prägt unseren Charakter. Hass verformt.
Die Bibel ermutigt dazu, Gott unsere emotionale Ausgeglichenheit anzuvertrauen. Trotz unseres Engagements haben wir auf manche Entwicklungen keinerlei Einfluss. Wo dies der Fall ist, bleibt uns nur eins: Wir können diese Dinge ins Gebet nehmen.
Und dann gilt es, auf Abstand zu gehen, zur Ruhe zu finden und unsere Hoffnung allein auf Gott zu richten. Auf denjenigen, von dem der Psalmist sagt: „Er greift ein; er überlässt uns Menschen nicht uns selbst!“
Mir persönlich fällt diese Haltung nicht leicht. Zu oft lasse ich mich von dem beeindrucken, was mir in den Nachrichten begegnet. Da wird es umso wichtiger, mich an das Bibelwort zu erinnern und selbstkritisch zu fragen: Was lenkt mich – meine Sorge oder mein Glaube?

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