Andachten

Andacht

Andacht 09.09.2019

09. September 2019 | Josef Butscher

Andacht 09.09.2019

Bildnachweis: Katarzyna Wendt

Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig – nicht um der Werke willen, die wir in Gerechtigkeit getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist.

Das größte Interesse Satans besteht darin, die „Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes“ infrage zu stellen. Das geschieht in der Regel nicht durch ihn persönlich, sondern durch seine irdischen Helfershelfer – auch in religiösem Gewand.
Meine Mutter war eine liebe, gläubige Frau, aber ab und an kam doch ihre frühere, durch einen strengen Katholizismus geprägte Frömmigkeit zum Vorschein. Dass sie, wenn ich nicht artig war, mit dem lieben Gott drohte, geschah ziemlich oft. Wenn es zum Beispiel donnerte, dann sagte sie: „Hörst du, Gott im Himmel schimpft dich aus.“ Das kam mir, ehrlich gesagt, doch ziemlich blöd vor, sodass ich es zum Glück nie ernst genommen habe. Jedoch gibt es sehr viele Fälle, bei denen sich durch die frühkindliche Erziehung falsche Gottesbilder festgesetzt haben.
So berichtete mir einmal eine Frau, dass sie als Mädchen viele religiöse Fragen hatte, aber jedes Mal, wenn sie von ihrer Mutter Antworten erwartete, wurde sie geohrfeigt und musste hören, dass Religion nur etwas für Erwachsene sei und sie nicht so neugierig sein solle.
Ein anderes erschreckendes Beispiel las ich neulich. Da berichtete jemand: „Ein Kollege von mir rief mich nach Weihnachten an und weinte am Telefon. Ich fragte: ,Hast du Schmerzen? Was ist mit dir los?‘ ‚Nein‘, sagte er, ‚stell dir vor, meine Kinder waren da am Heiligabend, und ich freute mich, dass sie mich besuchten, und da stellte sich die älteste Tochter breitbeinig vor mich hin und sagte mir: ‚Du musst nicht meinen, dass wir dich besuchen kommen, wir wollten nur mal sehen, ob du schon verreckt bist.‘“
Dass die „Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes“ zweifelsfrei eine Tatsache ist, hat er durch seine Erlösungstat an uns bewiesen. Aber wie sollen das unsere Mitmenschen glauben können, wenn sie von uns keine Wertschätzung erfahren? Jesus sagte, was ihr einem anderen getan oder nicht getan habt, das habt ihr mir getan. Möge jeder von uns ein guter „Botschafter an Christi statt“ (2 Kor 5,20) sein!

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