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Adventisten bestürzt über geplante Koranverbrennung

09.09.2010 11:35 | Bayern |

[Silver Spring/München]    Adventisten weltweit sind bestürzt über die geplante Koranverbrennung durch eine kleine radikale Christengruppe in Gainesville im amerikanischen Bundesstaat Florida. In einer Erklärung zum sogenannten „Tag-der-Koran-Verbrennung“ bekräftigte der Weltkirchenpräsident der Siebenten-Tags-Adventisten, Ted N.C. Wilson, die Verteidigung der Gewissensfreiheit als ein von Gott gegebenes universales Menschenrecht für alle friedliebenden Gläubigen, unabhängig ihrer religiösen Zugehörigkeit. Die angekündigte öffentliche Verbrennung des Korans stehe im krassen Gegensatz zu dem respektvollen Umgang der Christen mit anderen Religionen.

Die Gruppe Dove World Outreach Center in Gainesville im Bundesstaat Florida will zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 etwa 200 Exemplare des Korans verbrennen. Damit wollen die evangelikalen Christen nach den Worten ihres Pastors Terry Jones eine „klare Botschaft“ gegen Drohungen radikaler Islamisten senden. Obwohl der Gruppe inzwischen untersagt wurde ein Feuer zu legen, will Jones an der geplanten Aktion festhalten.

„Das macht uns sehr betroffen“, so Wilson. „Es schadet sehr und ist unverantwortlich, wenn absichtlich Spannungen zwischen Religionsgemeinschaften provoziert werden.“

Die vorsätzliche Bloßstellung des Korans empfinden Muslime als Beleidigung. Der Koran ist das Heilige Buch des Islam, das Wort Gottes, das mit äußerstem Respekt behandelt wird.

In der ganzen Welt haben sich politische und religiöse Führer mit Abscheu zu den Plänen der radikalen Christen aus Florida geäußert. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte zu der Ankündigung: „Das ist schlicht respektlos. Abstoßend – einfach falsch.“

Aus dem Vatikan hieß es: „Man kann die verwerflichen Gewalttaten (des 11. September) nicht damit heilen, dass man die heilige Schrift einer anderen Religion grob beleidigt.“ Alle Religionen hätten ein Anrecht auf Respekt und Schutz, erklärte der Vatikanische Rat für Interreligiösen Dialog.

Die Vereinten Nationen in Afghanistan warnten vor schweren Folgen. Sollte die „abscheuliche Tat“ wirklich vollzogen werden, würde dies die Gegner von Frieden und Versöhnung am Hindukusch stärken, meinte der UN-Sondergesandte, Staffan de Mistura. Auch die Europäische Union kritisierte die geplante Aktion scharf.

Jones zeigte sich trotz der Kritik an seinem Vorhaben weiter unbeirrt. Er bekräftigte, dass er mit der Aktion am neunten Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September dem „radikalen Islam“ klarmachen wolle, „dass wir sein Verhalten nicht tolerieren werden“. Ein mögliches Einlenken komme für ihn nur infrage, wenn Gott ihm ein entsprechendes Signal sende. Jones, der auch lange Jahre in Köln tätig war, hat nach eigenen Angaben mittlerweile mehr als 100 Morddrohungen erhalten und trägt jetzt eine Pistole bei sich.

Ungeachtet der internationalen Proteste halten die fundamentalistische Christen an der geplanten Koran-Verbrennung fest. Sollte es tatsächlich dazu kommen, werden unvorhersehbare Reaktionen muslimischer Gruppen befürchtet, wie sie im Jahr 2006 nach der Veröffentlichung lästerlicher Mohammed-Cartoons in einer dänischen Zeitung geschehen sind.

In einem Klima, das durch „zunehmende Intoleranz und Vorurteile“ geprägt ist, bemüht sich die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten intensiv darum, mit „religiös motivierter Unterdrückung und Gewalt“ Schluss zu machen, sagte Wilson.

Der vollständige Text der Wilson-Stellungnahme hier.

Quelle: EANN

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